Die Rolle der Führungsperson in der Mitarbeiterentwicklung

Wie moderne Mitarbeiterentwicklung aus Sicht der Führungsperson aussieht: Mit praktischen Tipps zur Vorbereitung, hilfreichen Perspektiven für das Gespräch und dem Fundament psychologischer Sicherheit.

Ein Entwicklungsgespräch zwischen Führungsperson und Mitarbeiter.
Daniel Kästli
Daniel Kästli
Co-founder wyrd
April 2026

Ich erinnere mich noch gut an eines dieser jährlichen Entwicklungsgespräche. Ich sass am Tisch, vor mir das vorbereitete Formular, im Kopf eine Liste von Punkten, die ich unbedingt ansprechen wollte. Mein Mitarbeitender mir gegenüber, höflich, etwas angespannt, vermutlich genauso mittelmässig vorbereitet wie ich selbst.

Ich führte durch das Gespräch. Fragte, hakte nach, steuerte. Am Ende einigten wir uns auf ein paar Ziele, die sich – wenn ich ehrlich bin – vor allem um die Schwächen der letzten Beurteilung drehten. Ein paar Wochen später verschwand das Protokoll irgendwo im System. Und tauchte erst wieder auf, als der nächste Termin anstand.

Was mich damals schon irritierte: So richtig zufrieden war danach niemand. Und trotzdem habe ich es jahrelang genau so gemacht.
Aber es geht auch anders.

Die neue Dynamik: Vom Manager zum Coach

Entwicklung entsteht nicht dadurch, dass jemand von aussen sagt, was besser werden soll. Sie entsteht dann, wenn Menschen selbst verstehen, woran sie arbeiten wollen – und warum. Dafür braucht es einen inneren Antrieb und den Blick auf das, was bereits da ist: eigene Stärken, Interessen, Ambitionen.

Damit verändert sich auch die Rolle als Führungsperson. Du gibst nicht mehr die Richtung vor, sondern begleitest. Du hörst zu, stellst Fragen und hilfst dabei, Gedanken zu sortieren und konkret zu machen.

Das klingt einfach, ist es aber nicht.

Denn es bedeutet, die eigenen Lösungen zurückzuhalten. Nicht sofort einzugreifen. Nicht die „richtige“ Antwort zu liefern. Sondern auszuhalten, dass der andere selbst denkt.

Ein gutes Zeichen dafür ist übrigens erstaunlich banal: Wer spricht mehr im Gespräch? Wenn deine Mitarbeitenden den grösseren Teil der Redezeit haben und man merkt, dass sie selbst arbeiten, dann bist du wahrscheinlich auf dem richtigen Weg.

Die drei Brillen der Führung: Fokus durch Perspektivenwechsel

An dieser Stelle taucht oft eine berechtigte Sorge auf: Wenn Mitarbeitende ihre Entwicklung selbst steuern, wird das dann nicht schnell zu einem Wunschkonzert? Zu Zielen, die zwar attraktiv klingen, aber wenig mit der Realität des Teams oder den Prioritäten des Unternehmens zu tun haben?

Hier wird deine Rolle als Führungsperson entscheidend. Du setzst den Rahmen in dem Entwicklung sinnvoll wird. Ein einfacher und gleichzeitig wirkungsvoller Ansatz ist der Perspektivenwechsel entlang von drei „Brillen“, die du bewusst ins Gespräch einbringst:

  • Förderer:in:
    Was braucht diese Person gerade ganz individuell für ihre Entwicklung? Wie kannst du konkret unterstützen?

  • Teamgestalter:in:
    Wie wirkt sich dieses Entwicklungsthema auf die Zusammenarbeit und das Miteinander im Team aus?

  • Unternehmer:in:
    Welchen Unterschied macht diese Entwicklung für das Unternehmen? Wo entsteht dadurch echter Mehrwert? ‍

‍Das Ziel ist es, diese drei Perspektiven – die Bedüfnisse des Individuums, des Teams und des Unternehmens – in Einklang zu bringen. Nur so entstehen Entwicklungsziele die realistisch und umsetzbar sind.

Praktische Tipps: Wie Mitarbeitende ihre eigene Entwicklung in die Hand nehmen

In der Praxis zeigt sich oft eine ganz einfache Hürde: Viele Mitarbeitende wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen. Woran will ich eigentlich arbeiten? Wo liegen meine Potenziale? Und was davon ist gerade wirklich relevant?

Wir haben drei Ansätze zusammengestellt, die sich im Alltag bewährt haben, Orientierung schaffen und erste Schritte greifbar machen. Welche davon gerade passt, entscheidet jede Person selbst. Und du als Führungsperson kannst den Prozess begleiten – indem du Fragen stellst, spiegelst und Struktur gibst.

Drei Entwicklungswerkzeuge: 360° Impulse, Rollen Werkstatt, und Zukunftsreise

360° Impulse

Hol dir neue Perspektiven von Menschen, die dich im Alltag erleben - für deine persönliche Entwicklung mit Blick nach vorn.

Job Werkstatt

Überlege dir deine aktiven Rollen und bewerte sie nach den Kriterien: a) Macht mir Freude und b) Bin ich wirksam. Gestalte im Anschluss deine Rollen so, dass sie noch besser zu dir und zu den Zielen deiner Organisation passt.

Zukunftsreise

Stell dir vor, wo du in 2-5 Jahren stehen möchtest. Überlege was dir dann wichtig ist und wohin du dich entwickelt hast. Erstelle dir danach ein Zukunftsbild, das dir über die kommende Zeit Orientierung gibt.

Was sich in der Praxis bewährt

Wenn Mitarbeitende mehr Verantwortung für ihre eigene Entwicklung übernehmen und du stärker in die Rolle als Coach gehst,  ist die Grundlage für  wirksame Gespräche gelegt. Doch wie lässt sich das im Alltag konkret umsetzen?

Hier ein paar Ansätze aus der Praxis, die sich bewährt haben:

Trennung von Performance und Entwicklung:
Löse Entwicklungsgespräche bewusst von Performance-Beurteilungen. So entsteht ein Raum, in dem es nicht um Bewertung geht, sondern um echte Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklung.

Werde zum Sparring-Partner:
Verstehe dich als jemand, der begleitet, mitdenkt und auch mal kritisch nachhakt. Nicht als jemand, der vorgibt, sondern als Gegenüber, das hilft, Klarheit zu schaffen und dran zu bleiben.

Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt das Beispiel von ewl energie wasser luzern. Das Unternehmen gehört zu den führenden Energiedienstleistern der Region und gilt als Vorreiterin in der nachhaltigen Transformation.

Fabienne Frank, Co-Leiterin HR, beschreibt die Veränderung so:
„Ich brauche weniger Zeit für die Vorbereitung und habe das Gefühl, näher an den wichtigen Themen meiner Mitarbeitenden zu sein.“

Was dabei oft unterschätzt wird: Damit solche Gespräche überhaupt Tiefe entwickeln können, braucht es ein gewisses Mass an Sicherheit im Austausch.

Menschen öffnen sich nur dann, wenn sie das Gefühl haben, dass sie auch Unfertiges aussprechen dürfen. Dass es in Ordnung ist, etwas noch nicht zu können oder unsicher zu sein. Du gestaltest den Rahmen, in dem Entwicklung möglich wird. Indem du zeigst, dass Fragen willkommen sind. Dass Experimente erlaubt sind. Und dass auch kleine Schritte Entwicklung bedeuten.

Entwicklung im Alltag

Wenn Entwicklung ein integraler Bestandteil des Arbeitsalltags wird, und auch nicht mehr als jährlicher Pflichttermin wahrgenommen wird, entsteht Entwicklung mit Engagement und führt zu gesunden, zukunftsfähigen Leistungsteams.

Die wyrd App begleitet und unterstützt Entwicklung für Führungskräfte und Mitarbeitende praktisch im Alltag.Mit praktischen Werkzeugen zur Reflexion, klarer Zielsetzung und strukturierter Vorbereitung von Entwicklungsgesprächen. Ergänzt wird das durch kurze Anleitungen, die die zugrunde liegenden Methoden verständlich erklären und einfach anwendbar machen. So gelingt gute Entwicklung!

Vorbereitung auf Entwicklungsgespräche in der wyrd App

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